Conni, komm zurück in die Zukunft!

Liebe Conni!

Ich möchte dir heute diesen Brief schreiben, weil du und deine Geschichten einen ganz festen Platz in unserem Leben einnehmen. Mein Sohn liebt es, vor dem Einschlafen noch eine deiner Conni Geschichten zu hören. Auf einem unserer Sammelbänder steht „Geschichten, die die Welt erklären“. Ja, sie tun es in der Tat. Und doch stelle ich fest, dass sie schon seit einiger Zeit nicht mehr die Welt erklären in der ich mir wünsche, dass mein Sohn aufwächst. 

Conni – eine beste Freundin für jedes Alter. Quelle: http://www.conni.de

Ich wünsche mir, dass mein Sohn in einer Welt aufwächst in der es mehr um das „Wollen“ als um das „Müssen“ geht. Es schmerzt mir bei so mancher Geschichte, wenn ich dort auffällig oft das Wort „Müssen“ lese. Nein, ich habe jetzt keine statistische Auswertung gemacht. Doch bei so mancher Geschichte – gestehe ich offen und ehrlich – weiche ich immer öfter vom Text ab. Ich bin überzeugt davon, dass die Welt in der ich möchte, dass ihr Kinder aufwächst eine ist, die vom Wollen und nicht vom Müssen geprägt ist. Ich glaube fest an intrinsische Motivation. Und nicht mehr an das Prinzip der extrinsisch auferlegten und durch Belohnung und Bestrafung umgesetzten Muster. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, liebe Conni, dass es sich auch in deinem Leben mehr um das Wollen als um das Müssen dreht. 

Ja und dann frage ich mich auch ein bisschen, in welchem Ort du eigentlich wohnst? Auf der Webseite lese ich “in einer kleinen Stadt”. Nein, ich kenne nicht all deine Geschichten. Doch zumindest aus denen die ich gelesen habe fällt mir auf, dass es dort wo du lebst außer hellhäutigen Mädchen und Jungs ‚nur‘ ein Mädchen mit Kopftuch und nicht-Deutschem Namen gibt. Und Beziehungen jenseits der klassischen heterosexuellen habe ich auch noch nicht wahrgenommen. Ja, wir wohnen selbst auch in einer kleinen Stadt – und zumindest hier bei uns gibt es auch viele andersfarbige und sexuell nicht hetero-orientierte Menschen. Und selbst wenn es dies in deinem Ort nicht gibt, so möchte ich doch daran erinnern, dass es irgendwo auf dem Planeten auch andere Menschen gibt. Und ich wünsche mir einfach, dass „Geschichten, die die Welt erklären“ auch tatsächlich die „Welt“ erklären und nicht nur ein kleines „Dorf“ irgendwo im nirgendwo das von Diversität und Inklusion nicht betroffen ist. Denn unsere Welt schaut anders aus.

Achja – und dann wollte ich dich noch fragen, was deine Mama eigentlich beruflich macht? Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bei euch in der Familie die Rollenverteilung sehr klassisch ist. Versteh mich nicht falsch – es geht mir nicht darum zu sagen, dass es nicht in Ordnung wäre, falls deine Mama kein eigenes finanzielles Einkommen hätte. Doch es fällt mir nur irgendwie auf, dass verhältnismäßig oft deine Mama bei dir und Jakob ist und es so ganz selbstverständlich scheint, dass dein Papa in der Arbeit ist und das Geld verdient. Zumindest ich als Frau finde es wichtig, dass wir auch unseren Kindern die Perspektive vermitteln, dass es auch für eine Frau wichtig ist, sich um die eigene finanzielle Absicherung zu kümmern und nicht nur vom Ehemann abhängig zu sein.

Was mir gut gefällt ist dein Entdeckergeist und deine Offenheit. Du selbst probierst ja alles aus worauf du Lust hast. Ganz jenseits der klassischen Rollenbilder und völlig losgelöst von Vorurteilen. Das stimmt mich zuversichtlich, dass die Welt die du mal schaffen wirst eine sein wird, die anders ist als jene die deine Eltern noch kannten. Vielleicht wünsche ich mir einfach, dass sich auch die Welt in deinen Büchern und Geschichten wandelt. Dass sie sich so wandelt wie es auch die Realität tut. Und, dass sie einfach eine Welt ist in der es mehr um Diversität, Inklusion und Gleichberechtigung geht. Und zwar geprägt von Freiwilligkeit und intrinsischer Motivation. Denn nur auf diesen Grundpfeilern wird es noch eine lebenswerte Welt von morgen geben. Und auch deine Geschichten tragen dazu bei, wie sich die Kinder von heute die Welt von morgen erträumen und Realität werden lassen. 

Vielleicht hast du ja Lust mal was gemeinsam mit mir und meinem Sohn zu erleben. Dann zeig ich dir mal meine Welt … und dann können wir ja auch eine Geschichte darüber schreiben! Ich freue mich darauf!

Deine Barbara!

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