Der Wind, der Wind, das himmlische Kind

Wem von euch ist es noch aufgefallen, dass es in den letzten Wochen übermäßig oft windet? Wer von euch hat sich noch so richtig schön ‚durchblasen‘ gelassen von dem Wind? Wer von euch hat mit dem Wind gespielt? Wer hat Altes ziehen und Neues herbei wehen gelassen?

Der Wind – Illustration aus “Guten Tag, kleiner Tiger” von Donald Bisset

Als der Orkan Sabine über München hinweg gezogen ist habe ich mich auf einen abenteuerlichen Spaziergang zum Einkaufen gemacht. Auf dem Gehsteig lagen alle paar Meter kleine und größere Äste, keiner davon fiel mir auf den Kopf. Es sah so aus als würde sich die Natur von etwas befreien. Auf dem Rückweg hat es angefangen zu regnen. Ich war natürlich ohne Schirm unterwegs. Hätte auch nichts gebracht bei dem Wind. Nach ein paar Metern habe ich gespürt, wie es durch meine Jacke nass wird und ich die Feuchtigkeit auf der Haut spüre. Ich wusste ich bin gleich zu Hause und kann mich umziehen. Also hab ich mir Zeit gelassen anstatt mich zu beeilen. Und habe es genossen, das wilde Element der Luft so stark zu spüren.


Ein paar Tage später ist mir ein Gedicht von Rainer Maria Rilke in die Hände gefallen.

VORGEFÜHL
Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben.
Ich ahne die Winde, die kommen, und muß sie leben,
während die Dinge unten sich noch nicht rühren:
die Türen schließen noch sanft, und in den Kaminen ist Stille;
die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer.

Da weiß ich die Stürme schon und bin erregt wie das Meer.
Und breite mich aus und falle in mich hinein
und werfe mich ab und bin ganz allein
in dem großen Sturm.


Ich stelle mir vor, ich bin dieses Fähnchen im Wind. Die Vorstellung gefällt mir. Denn auch mir geht es manchmal so, dass ich Vorahnungen habe. Ich lasse mich von meiner Intuition leiten. Und manchmal davon bremsen, dass Menschen in meinem Umfeld (noch) nicht wissen, was ich meine.

Ich stelle mir vor, ich bin dieses Fähnchen im Wind und spüre die Bewegung der Luft. Es entspannt mich, zu verstehen, dass das Leben der Menschen im Dorf einfach weitergeht, weil dort der Wind noch nicht angekommen ist.

Ich stelle mir vor, ich bin dieses Fähnchen im Wind und ich darf wehen, darf mich dem Wind und meiner Intuition hingeben und einfach sein. Sein, ohne wenn und aber. Ohne, dass alle Menschheit mit mir im Wind stehen muss. Ohne, dass alle Menschheit mit mir gemeinsam den Wind spüren muss.

Ich stelle mir vor, ich bin dieses Fähnchen im Wind – und ich weiß, ich bin NICHT ALLEIN.

Was assoziierst du mit dem Gedicht? Wie würde es dir gehen, wenn du dir vorstellst, diese Fahne im Wind zu sein? Welche Gefühle löst diese Vorstellung in dir aus?

Ein paar Tage später ist der Wind wieder stark. Ich radle zum Markt. Der Wind weht mir entgegen. Ich fahre gegen den Wind. Stelle fest, dass je schneller ich radle, desto schwieriger es wird. Ich versuche einfach mal einen Gang runter zu schalten und weniger Kraft aufzuwenden. Welch Wunder, es geht viel leichter. Ich habe das Gefühl, dass mich der Wind jetzt mehr umstreicht. Er ist immer noch da. Doch wir spielen miteinander anstatt gegeneinander zu kämpfen.


Das Spiel mit dem Wind – Eine Anleitung zur Selbstreflexion

Stell dir vor du stehst auf einem Hügel. Deine Augen können weit in die Ebene vor dir blicken. Der Wind umstreicht dich und bläst immer stärker. Verbinde dich mit der Kraft des Windes und stell dir vor, wie der Wind durch jede Zelle deines Körpers weht. Stell dir vor, wie er ein Teil von dir wird.

  • Was berührt der Wind tief in dir?
  • Welche Gedanken und Gefühle weht er weg von dir?
  • Welche neuen Impulse und Bedürfnisse zeigt er dir?
  • Wo hast du in deinem Leben gerade das Gefühl, gegen den Wind zu kämpfen?
  • Wie könntest du aufhören dagegen anzukämpfen und stattdessen damit spielen?

Nimm dir ein Tagebuch oder einen leeren Zettel und nutze eine Auswahl dieser Fragen zur Reflexion. Schreibe einfach drauf los, was dir dazu einfällt ohne den Stift abzusetzen. Wenn du magst kannst du auch anstatt zu schreiben etwas dazu malen.

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